Inflationsausgleichende Lohnerhöhung bei einer Flat Tax unter Vermeidung der indirekten Progression

Lieber Hr. Eiermann,

Ihre Formel ist annähernd genial! Mit ein bisschen Nachdenken bin ich inzwischen darauf gekommen, was sie ausdrückt. Sie gehen davon aus, dass Sie einen Bruttolohn und eine gewisse Inflationsrate haben. Gleichen wir diese Inflation aus, indem wir den Bruttolohn erhöhen, so kommt bei einer Flat Tax mit Grundfreibetrag der Sachverhalt der indirekten Progression zum Tragen.

Zur Erinnerung an andere, die das lesen: Wir reden hier die ganze Zeit von einem einstufigen Steuertarif mit einem Grenzsteuersatz und einem Grundfreibetrag. Also geht es hier um eine Flat Tax im eigentlichen Sinne und das darf nicht etwa mit dem Kirchhofschen Steuermodell verwechselt werden, dass prinzipiell eine Flat Tax ist, aber real eher ein Stufentarif.

Indirekte Progression – Was ist das?

D.h., durch ein höheres zu versteuerndes Einkommen (zvE) (beispielsweise entstanden aus einer inflationsausgleichenden Lohnerhöhung) über dem Grundfreibetrag F, ergibt sich bei gleichbleibendem Grenzsteuersatz g ein höherer effektiver Steuersatz s (Durchschnittssteuersatz). Somit wird ein höherer Steuerbetrag (StB) fällig, der das real gleichbleibende Einkommen (bei nominal höheren Zahlen) real vermindert, also die Kaufkraft senkt.

image

Im Bild beträgt der Grenzsteuersatz 25 Prozent. Angenommen das große zu versteuernde Einkommen (zvE) über dem Grundfreibetrag F betrage 2000 Euro und das kleine zvE über F sei 1500. Dadurch ergeben sich Steuerbeträge von 500 und 375 Euro. Dies gilt unter der Annahme: der Grundfreibetrag F sei 500 Euro groß. So ergeben sich die Durchschnittssteuersätze (effektiven Steuersätze) von 20 Prozent (500 von 2500) und 18,75 Prozent (375 von 2000 Euro).

Das Steigen der effektiven Steuersätze – beispielsweise bei einer Lohnerhöhung – wird als indirekte Progression bezeichnet.

Formel zur Vermeidung der indirekten Progression

Hr. Eiermann hatte jetzt eine Formel entwickelt mit der man das Problem der indirekten Progression bei inflationsausgleichenden Lohnerhöhungen umgeht (bzw. verkleinert). Sie lautet:

Formel

Lohnerhöhung meint hier die notwendige Lohnerhöhung, die über den Inflationsausgleich des Bruttolohns herausgeht, um die indirekte Progression auszugleichen. [%] steht dafür, dass die Einheit Prozent ist.

Um das Rechnen zu vereinfachen, habe ich eine Kalkulationstabelle angelegt:

Durch das Klicken auf das Bild öffnet sich ein Excel-Dokument, das die Formel beherrscht un

Durch das Klicken auf das Bild öffnet sich ein Excel-Dokument, das die Formel beherrscht und nach Eingabe der Parameter selbstständig rechnet.

Aufgrund des .xlsx-Formates eventuell nicht kompatibel mit MS Office 1997-2003! Hier komplett kompatibles Dokument. Für die Nutzer von Open-Source-Produkten wie Open-Office und Libre-Office hier ein Dokument im .ods-Format.

Da die zusätzliche Lohnerhöhung zum Ausgleich der indirekten Progression wiederum zu einer indirekten Progression führt, ist die Formel nicht hundertprozentig genau. Natürlich könnte man sie mehrfach anwenden, bis die Ungenauigkeit verschwindend gering und die Nettolohnsteigerung genau (und nicht nur ungefähr) der Inflationsrate sind. Ich denke aber, dass diese Abweichungen im Hundertstel-Prozent-Bereich vernachlässigbar sind.

Indirekte Progression – Kalte Progression

Die in diesem Artikel angesprochene Indirekte Progression darf nicht mit der sogenannten Kalten Progression verwechselt werden. Die Kalte (Steuer-)Progression tritt bei einem linear-proportionalem Steuertarif auf, beispielsweise bei dem derzeit gültigen Einkommensteuertarif in Deutschland. In diesem Beitrag hier, ging es aber – wie eingangs erwähnt – um eine Flat Tax.

SPD-Steuerkonzept für die geplante Regierungsübernahme

Die SPD hat ein neues Steuerkonzept vorlegt. Ungewöhnlich: es werden mal keine Vorschläge für Steuersenkungen (vgl. FDP – Die Steuersenkungspartei) gemacht, sondern es ist von Steuererhöhungen die Rede.

Das Ganze ist als ein Stück sozialer Patriotismus gemeint. Schließlich hätten neulich sogar einige Millionäre erklärt, dass sie bereit wären etwas mehr Steuern zu zahlen. Besserverdiener (Menschen mit einem zu versteuernden Einkommen (zvE) von mehr als 64 000 Euro) sollen stärker belastet werden. Der Spitzensteuersatz soll von 42 auf 49 Prozent steigen. Der Spitzensteuersatz von 49 % würde ab einem zvE von 100 000 Euro fällig werden. Zwischen 64 000 und 100 000 Euro zvE würde eine dritte Progressionszone entstehen. Die Reichensteuer (eine Stufe im bisherigen Einkommensteuertarif ab einem zvE von 250 731 Euro, die aktuell bei 45 % liegt) würde entfallen. Hier ein paar Infos zum aktuellen Einkommensteuersystem.

Eine gute Übersetzungsarbeit – zwischen Politik und Bürger – hat Spiegel-Online geleistet. Im Gegensatz zu anderen Medien wurde das Konzept mit Grafiken aufbereitet. (Was mir so einiges an Mühen erspart – vermutlich würde kaum jemand ohne Grafik den Absatz verstehen). Den überwiegend gelungenen Artikel gibt es hier:

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,784958,00.html

Wobei der Artikel doch etwas widersprüchlich ist. (Ja, ich finde immer etwas zum Nörgeln). Die Überschrift lautet: So viel zahlen Sie bei einer SPD-Steuerreform drauf. Wenig später moniert der Autor aber, dass die Idee an Placebo-Politik grenze. Und ist der Meinung, dass: „Wenn von Dutzenden Millionen Steuerzahlern nur ein paar Hunderttausend betroffen sei, komme allerdings auch nur wenig zusätzliches Geld zusammen.“ Hierbei handelt es sich natürlich um einen journalistischen Kurzschluss. Schließlich zahlt das obere Zehntel der Einkommensbezieher rund 53 % der Einkommensteuern, wie Spiegel-Online selber in einer sehr guten Fotostrecke zeigt. Außerdem gehe ich mal davon aus, dass Spiegel Online nicht nur die paar hunderttausend Besserverdiener in Deutschland ansprechen will. Also eine schlechte Überschrift.

Das SPD-Konzept gibt’s hier zum Nachlesen:

http://www.spd.de/aktuelles/News/17158/20110905_pakt_fuer_bildung_und_entschuldung.html

http://www.spd.de/linkableblob/17144/data/finanzkonzept_2011_09_05.pdf

Fetter Minuspunkt für die Genossen, auch bei Sympathie für die Ideen: zu textlastig, zu wenig erklärende Bilder. Das muss besser werden. Vielleicht würden es auch die schlechten Medien etwas besser schaffen die Inhalte gut aufzubereiten, wenn die Pressemitteilung schon ordentlich gestaltet wäre.

Halbteilungsgrundsatz

Der Halbteilungsgrundsatz spielt heute im deutschen Steuerrecht eigentlich keine Rolle mehr. Das Bundesverfassungsgericht (BVerfg) hatte diesen im Urteil vom 22.6.1995 aus dem Grundgesetz Artikel 14 Absatz 2 (Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.) hergeleitet (meiner Meinung nach willkürlich aus den Fingern gesogen):

Die Vermögensteuer darf zu den übrigen Steuern auf den Ertrag nur hinzutreten, soweit die steuerliche Gesamtbelastung […] in der Nähe einer hälftigen Teilung zwischen privater und öffentlicher Hand verbleibt. […] Nach Art. 14 Abs. 2 GG dient der Eigentumsgebrauch zugleich dem privaten Nutzen und dem Wohl der Allgemeinheit. Deshalb ist der Vermögensertrag einerseits für die steuerliche Gemeinlast zugänglich, andererseits muß dem Berechtigten ein privater Ertragsnutzen verbleiben.

Zitiert nach; Die Urteile des BVerfg sind leider erst ab 1998 auf bundesverfassungsgericht.de einsehbar.

Diesem Halbteilungsgrundsatz zu Folge gäbe es also eine absolute steuerliche Belastungsobergrenze von 50%. Das BVerfg revidierte aber seine Meinung in Urteil vom 18. Januar 2006:

a) Aus diesem in Art. 14 Abs. 1 Satz 1 und Abs. 2 Satz 2 GG zum Ausdruck kommenden Maßstab, der lediglich den Rahmen der Abwägung kennzeichnet, lässt sich keine allgemein verbindliche, absolute Belastungsobergrenze in der Nähe einer hälftigen Teilung („Halbteilungsgrundsatz“) ableiten. Der Wortlaut des Art. 14 Abs. 2 Satz 2 GG („zugleich“) reicht zur Begründung einer mit Sinn und Zweck des Art. 14 Abs. 2 Satz 2 GG sowie seiner Entstehungsgeschichte  zu vereinbarenden Herleitung einer Höchstbelastungsgrenze in der Nähe einer hälftigen Teilung nicht aus.

via Wikimedia CommonsKirchhof

By Franziska Kafka (Own work) {CC-BY-SA-3.0 (www.creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (www.gnu.org/copyleft/fdl.html)}

Der 1995 aufgestellte Halbteilungsgrundsatz wurde damit gekippt. Die erste Entscheidung war um den damaligen Verfassugnsrichter Paul Kirchhof herum entstanden. Warum jetzt das ganze Aufsehen um diesen historischen Justizfall? Weil Paul Kirchhof nach seiner Tätigkeit beim Bundesverfassungsgericht im Bereich Steuerrecht als der Steuerbürokratie-Revolutionär vom Steuerprofessor zum Steuerpapst aufsteigen möchte und das deutsche Steuersystem radikal umbauen und verschlanken will.

Paul Kirchhofs Thesen (zumindest in Bezug auf einen neuen Einkommensteuertarif) habe ich schon erwähnt. Seine weiteren Ausführungen und Ideen zum Steuerrecht werde ich bis zum Ende des Sommer (Ende September) vorstellen. Derweil verweise ich gerne auf die Gesamtübersicht aller Artikel, die in der Kategorie Verständliche Politik erschienen sind.

Mittelstandsbauch

Endlich mal einen Begriff den ich wirklich kurz und knackig erklären kann. Es gibt bei der deutschen Einkommensteuer zwei linear-progressive Zonen (Erklärung dazu hier): die erste dieser Zonen ist auf der Abbildung die 2. ab 8005 bis 13469 Euro und die zweite dieser Zonen ist auf der Abbildung die 3. ab 13470 bis 52881 Euro. In der 2. Zone steigt der Grenzsteuersatz (schwarzer Verlauf) von 14 auf 24 Prozent, in der 3. Zone von 24 auf 42 Prozent:

Alle 5 Zonen der deutschen Einkommensteuer im Überblick

Alle 5 Zonen der deutschen Einkommensteuer im Überblick (schwarz der Grenzsteuersatz, rot der Durchschnittssteuersatz)

Wie aber unschwer zu erkennen ist, werden Lohnsteigerungen in der zweiten Zone stärker besteuert, als eine vergleichbar große Einkommenserhöhung in der dritten Zone. (Gut erkennbar an der Steilheit der Grenzsteuersatzfunktion. In der 4. und 5. Zone wird bei einer vergleichbaren Einkommenserhöhung gar kein höherer Steuersatz fällig.) Auch die Kalte Progression schlägt in der 2. Zone stärker zu Buche als in der 3. Kurzum: Menschen mit einem zu versteuernden Einkommen (zvE) von 8005 bis 13469 Euro werden bei einer Einkommenserhöhung überdurchschnittlich hart besteuert im Vergleich zu höheren Einkommen, wenn auch der prozentuale Steuersatz niedriger ist. Dieser Sachverhalt wird als Mittelstandsbauch bezeichnet. Wobei Einkommen zwischen 8005 und 13469 Euro eher weniger den Mittelstand repräsentieren dürften. Nichtsdestoweniger wird immer wieder die Abflachung des Mittelstandsbauches (vielleicht sollte man lieber von der Geringverdienerecke sprechen) diskutiert, um kleinere und mittlere Einkommen zu entlasten.

Der Mittelstandsbauch

Der Mittelstandsbauch

Noch ein Link zum Thema. 

Die deutsche Einkommenssteuer

Nachdem ich in den letzten vier Artikeln wichtige Grundlagen zur deutschen Einkommensteuer erklärt habe, kommt jetzt der abschließende Artikel, der den Steuertarif komplett erläutern soll. Der letzte Artikel dieser Serie aus dem Bereich Steuern und Finanzen ist es noch nicht, denn ich werde später noch zwei Begrifflichkeiten veranschaulichen.

Die deutsche Einkommensteuer hat insgesamt fünf Zonen (Stand 2011):

Alle 5 Zonen der deutschen Einkommensteuer im Überblick

Alle fünf Zonen der deutschen Einkommensteuer im Überblick. Rot der Durchschnittssteuersatz und schwarz der Grenzsteuersatz

1. Zone: Grundfreibetrag

Bis zu einem zu versteuernden Einkommen (zvE) von 8004 Euro fällt keine Steuer an. Es wird vom sogenannten Grundfreibetrag gesprochen. Alternativ wird dieser Bereich auch als Nullzone bezeichnet. Was das zvE und der Grundfreibetrag ist und wie sich das steuerfreie Existenzminimum in Steuertarifsystemen auswirkt, hatte ich im letzten Artikel beschrieben.

Nullzone des Einkommensteuertarifes

Nullzone des Einkommensteuertarifes

2. Zone: Eingangssteuersatz, erster linear-progressiver Bereich

Von einem zu versteuernden Einkommen (zvE) von 8005 Euro bis 13469 Euro steigt der Steuersatz von 14 % auf 24 % (Grenzsteuersatz) linear an. Für jeden weiteren Euro über dem Grundfreibetrag wird also ein eigener höherer Prozentsatz fällig. Dieser Sachverhalt wird auch als Steuerprogression bezeichnet. Wer ganz genau wissen will, wie sich die Steuerbetragsfunktion verhält, darf diese Formel innerhalb des Intervalls I [0 | 5465] (dies entspricht einem zvE von 8005 bis 13469 Euro) verwenden:

Einkommensteuerbetrag (EStb) = (912,17 * (Y/10000) + 1400) * (Y/10000); wobei Y = zvE – 8004. Unter Anwendung der Formel ergibt sich:

Y zvE in Euro Steuerbetrag in Euro (Funktionswert) Grenzsteuersatz und effektiver Steuersatz
0 8004 0 0 und 0 %
1 8005 0 (0,14) 14,0 und 0 %
8 8012 1 (1,12) 14,01 und 0,01 %
1000 9004 149 (149,12) 15,82 und 1,65 %
2000 10004 316 (316,48) 17,64 und 3,16 %
3000 11004 502 (502,10) 19,47 und 4,56 %
4000 12004 705 (705,95) 21,29 und 5,87 %
5000 13004 928 (928,04) 23,12 und 7,14 %
5465 13469 1037 (1037,53) 23,97 und 7,70 %

Hinweis: Es wird immer auf ganze Euros zugunsten des Steuerschuldners (Steuersubjekts oder auch schlicht: Steuerzahlers) gerundet, da die Besteuerungseinheit ganze Euros sind.

Die 1400 in der Formel markieren den Eingangssteuersatz. Bei  Y = zvE – 8004 müssen die 8004 Euro abgezogen werden, weil das der Grundfreibetrag ist, also das steuerfreie Existenzminimum.

Erste linear-progressive Zone des Einkommensteuertarifes

Erste linear-progressive Zone des Einkommensteuertarifes

3. Zone: zweiter linear-progressiver Bereich

Ab einem zu versteuernden Einkommen (zvE) von 13470 Euro bis zu einem zvE von 52881 Euro steigt der Steuersatz ebenfalls linear von 24 auf 42 % (Spitzensteuersatz) an. Die Steigung dieses linearen Verlaufes ist etwas geringer als die Steigung der ersten linear-progressiven Zone.

Die Formel für den Verlauf der Steuerbetragsfunktion in dieser Zone lautet: Einkommensteuerbetrag (EStb) = (228,74 * (Z/10000) + 2397 ) * (Z/10000) + 1038; wobei Z = zvE – 13469. Unter Anwendung der Formel ergibt sich:

Z zvE in Euro Steuerbetrag in Euro (Funktionswert) Grenzsteuersatz und effektiver Steuersatz
0 13470 1038 (1038,24) 23,97 und 7,71 %
1000 14470 1280 (1280,23) 24,42 und 8,85 %
2000 15470 1526 (1526,80) 24,88 und 9,86 %
12000 25470 4244 (4244,08) 29,46 und 16,66 %
22000 35470 7418 (7418,84) 34,03 und 20,91 %
32000 45470 11051 (11051,08) 38,60 und 24,30 %
39412 52881 14038 (14038,09) 42,00 und 26,55 %

Hinweis: Die angegebenen Prozentsätze sind teilweise gerundet, weisen also eigentlich meist mehrere Nachkommastellen auf.

Die 2397 in der Formel markieren den Eingangssteuersatz dieser Zone (rund 24 %; von denen häufiger gesprochen werden.) Die 1038 Euro sind der Steuerbetrag aus der vorhergehenden Tarifzone (1037 Euro) und 1 Euro Steuerbetrag für den 13470. Euro (bei dem Z ja gleich null ist).

Erste linear-progressive Zone des Einkommensteuertarifes

Zweite linear-progressive Zone des Einkommensteuertarifes

4. Zone: proportionaler Bereich mit Spitzensteuersatz

Ab einem zu versteuernden Einkommen (zvE) von 52882 Euro ergibt sich ein linearer Verlauf des Grenzsteuersatzes während sich der Steuerbetrag proportional verhält. Der Prozentsatz liegt konstant bei 42 %. Es wird auch vom Spitzensteuersatz gesprochen. Der Einkommensteuerbetrag kann in dieser Zone – aufgrund des konstanten Grenzsteuersatzes – besonders leicht errechnet werden:

Einkommensteuerbetrag (EStb) = 0,42 * zvE – 8172

Woher die Zahl 8172 herkommt, konnte ich nirgends wirklich finden. Daher hier meine private Erklärung: In den beiden vorhergehenden linear-progressiven Zonen wurde jeder weitere Euro des zvE mit einem höheren Prozentsatz besteuert (Steuerprogression). Dies ist jetzt in der 4. Zone nicht mehr der Fall. Jeder Euro wird mit 42 % Steuern belegt. Der Grundfreibetrag (8004 Euro) bleibt davon nicht angetastet. Würde der Einkommensteuerbetrag (EStb) hier aber wie folgt berechnet: EStb = 0,42 * zvE – 8004, dann ergäbe sich aber bei einer Einkommenserhöhung von 52881 auf 52882 Euro ein Sprung beim Einkommensbetrag von 14038 auf 14206 Euro. Für ein Euro mehr Einkommen würden also 168 Euro Steuern fällig. Um diesen Einkommensteuerbetragssprung zu verhindern, wählte man daher eine etwas größere Zahl. Außerdem muss sich der Steuerbetrag für die ersten 52881 Euros nach den Regeln der ersten 3 Zonen verhalten. Die Zahl 8172 in der Einkommensteuerbetragsfunktion dieser Zone gewährleistet das. Zudem wäre es unsinnig erst das zvE zu besteuern und dann von diesem Steuerbetrag den Grundfreibetrag abzuziehen, wie es bei der Formel  EStb = 0,42 * zvE – 8004 wäre.

Erste linear-proportionale Zone des Einkommensteuertarifes

Erste linear-proportionale Zone des Einkommensteuertarifes

5. Zone: proportionaler Bereich mit Reichensteuer

Ab einem Einkommen von 250731 Euro errechnet sich der Einkommensteuerbetrag wie folgt: Einkommensteuerbetrag (EStb) = 0,45 * zvE – 15694. Für die Zahl 15694 in der Formel gilt wohl die gleiche Erklärung wie bei der Zahl 8172 aus der 4. Zone. Der Grenzsteuersatz steigt von der 4. zur 5. Zone also um 3 Prozentpunkte auf 45 % an. Diese sogenannte Reichensteuer wurde 2005 unter der Großen Koalition (Kabinett Merkel I 2005-2009) auf Drängen der SPD eingeführt.

Zweite linear-proportionale Zone des Einkommensteuertarifes

Zweite linear-proportionale Zone des Einkommensteuertarifes

Eigentlich müsste bei den 45 % vom Spitzensteuersatz die Rede sein. Mit dem Begriff Spitzensteuersatz sind aber meistens die 42 % am Ende des linear-progressiven Verlaufs des Steuertarifes gemeint. Daher spricht man bei den 45 % vom maximalen Steuersatz.

 

Der linear-proportionale Verlauf der 4. Zone und die Stufe der 5. Zone (die selber wieder linear-proportional ist) schließen hier eine Kalte Steuerprogression aus. Diese Kalte Progression kann nur bei den beiden linear-progressiv verlaufenden Zonen (2. und 3. Zone) auftreten. Aufgrund des Grundfreibetrags kommt es aber dennoch in der 4. und 5. Zone zu einer Art Steuerprogression. Es wird von einer indirekten Progression gesprochen, da nur der effektive Steuersatz (Durchschnittssteuersatz / persönlicher Steuersatz) steigt. Würde auch der Grenzsteuersatz steigen (also progressiv verlaufen) wie bei der 2. und 3. Zone, läge eine (direkte) Steuerprogression vor.

Hinweis: Die Abbildungen verhalten sich nicht exakt maßstabsgetreu. Wer Fehler, Ungenauigkeiten oder missverständliche Stellen findet, darf mich gerne darauf hinweisen. Fragen (in Kommentaren) beantworte ich auch gerne, wenn ich die Antwort kenne oder glaube sie zu kennen.