Sprache und Politik im Wahlkampf

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Im Juni / Juli 2012 veranstaltete der Jugendbildungsbereich der Ev. Akademie Sachsen-Anhalt e.V. (Lutherstadt Wittenberg) das Projekt „Sprache und Politik„. Johannes Neumann und ich, damals Freiwillige im Studienbereich für gesellschaftspolitische Jugendbildung, luden zwei 10. Schulklassen ein. Gemeinsam dachten wir über die Sprache von Politik nach. Die Schülerinnen und Schüler erarbeiteten Handlungsempfehlungen für Medien, Politiker und Bildung und präsentierten diese dem Ministerpräsidenten Dr. Rainer Haseloff. Ausgang des Projektes waren die Ergebnisse der Studie „Sprichst du Politik?“ der Friedrich-Ebert-Stiftung.

Kurz vor der Bundestagswahl geistert das „Sprache und Politik“ wieder durch die Medien:

  • heute war Johannes Neumann bei MDR INFO im Interview (leider kein Permalink)
  • gestern erschien auf tagesschau.de ein Interview mit mir (Link)

Lilli-Jahn-Platz

Lilli-Jahn-PlatzDer im Zuge von Umbaumaßnahmen an der Ecke Lassallestraße/Germaniastraße entstandene Platz soll einen Namen bekommen. Als Namensvorschlag kursiert gerade „Bertolt-Brecht-Platz“. Im Vorderen Westen gibt es schon einige Plätze:

  • Graf-Bernadotte-Platz
  • Berliner Platz
  • Holger-Börner-Platz
  • Huttenplatz
  • August-Bebel-Platz
  • Karl-Marx-Platz
  • Rathenau-Platz
  • Luisen-Platz

Lediglich ein Platz (Luisen-Platz) ist nach einer Frau benannt. Generell sind Frauen im Kasseler Stadtbild etwas unterrepräsentiert. Es gibt kaum Plätze die nach Frauen benannt sind:

Straßen, die nach Frauen benannt wurden, gibt es etwas mehr. Im Vorderen Westen tauchen fast nur Vornamen auf: Olgastraße, Sophienstraße, Luisenstraße, Reginastraße, Annastraße. Die Meysenbugstraße war ursprünglich nicht, wie jetzt auf dem Zusatz am Straßenschild angegeben, Malwida von Meysenbug gewidmet.

Es wird also Zeit für einen weiteren weiblichen Platz! Lilli Jahn könnte hier als Namenspatronin dienen. Die jüdische Ärztin aus Immenhausen (bei Kassel) musste mit ihren Kindern im Juli 1943 zwangsweise nach Kassel umziehen. Ihre Kinder wurden hier ausgebombt, sie starb nach einem Aufenthalt in Breitenau in Auschwitz. Bekanntheit erlangte Lilli Jahn durch ihre heimlichen Briefe.

Im Gegensatz zu Bertolt Brecht, der zweifelsohne auch ein großes Werk hinterlassen hat, hat sie einen relevanten Bezug zu Kassel. Deshalb: Lilli-Jahn-Platz und gerne auch weitere weibliche Platz- und Straßennamen!

Der Stadtteilverein West e.V. und andere Unterstützer setzen sich ebenfalls für den „Lilli-Jahn-Platz“ ein.

Straßenbahnlinie 88

Dass es in Kassel eine „Adolf-Hitler-Buslinie“ gibt, sollte unlängst bekannt sein. Von der (Wilhelm-)Führer-Straße fahren Busse der Linie 18 über den Platz der DEUTSCHEN (Einheit) hinzu einem „arischen“ Möbelhaus, das allgemeinhin mit blonden-blauäugigen Personen assoziiert wird. Die Linienführung erinnert an wichtige deutsche Persönlichkeiten (Paul Gerhardt, Werner von Siemens (1888 geadelt), Otto Lilienthal, Justus Liebig, Werner Heisenberg und Heinrich Hertz*) und Städte (Nürnberg, Breslau und Naumburg).

Heute hatte ich aber das eher begrenzte Vergnügen mit der Straßenbahnlinie 88 (Nein: Straße wird nicht mit SS geschrieben!) zu fahren. Vielleicht sollten sich die Fahrzeugführer der Kasseler Verkehrsgesellschaft einem Gesinnungstest unterziehen:

2013-05-07 20.33.42

Meine Mail an die KVG:

Sehr geehrte Damen und Herren,

vorhin hatte ich das begrenzte Vergnügen mit der Straßenbahnlinie 88 durch Kassel zu reisen. Die Linie erschien mir wenig frequentiert, vielleicht sollte der Betrieb eingestellt werden. Zumindest könnte die Bahn künftig unter einer etwas entpolitiserten, historisch nicht vorbelasteten Zahl fahren. Der Blick in den Liniennetzplan offenbarte, das die „2“ noch zu haben sein dürfte.

Mit besten Grüßen
Lukas Kiepe

P.S.: Bei der NVV-Beschwerdedatenbank können keine Handy-Fotos hochgeladen werden.
P.P.S.: Es kann kann auch keine Beschwerde über ein Linie „88“ angewählt werden. Und bei Linie „0“ ist die Fahrtweg-Angabe zu komplex.
P.P.P.S.: Ist technisch die Anzeige von verfassungsfeindlichen Symbolen bei den modernen Displays möglich?

*Ernst Reuter, Philipp Scheidemann und Matthias Erzberger will ich hier nicht vergessen.