Kirchliches Forschungsheim

Das Kirchliche Forschungsheim (kurz KFH) befindet sich heutzutage in der Wilhelm-Weber-Straße 1a, also zwischen Augusteum / Lutherhaus und Hauptpost. Es wurde 1927 gegründet, um den Dialog zwischen Kirche und Naturwissenschaft zu stärken. Federführend wirkte der Ornithologe (Vogelforscher) und Pfarrer Otto Kleinschmidt mit. Er leitete die Einrichtung 26 Jahre. Das Kirchliche Forschungsheim, das damals noch Forschungsheim für Weltanschauungskunde hieß, war zuerst im Schloss untergebracht. Das Haus wurde inzwischen nach ökologischen Gesichtspunkten saniert. Davon zeugen Solaranlagen auf dem Dach, die Regenwassernutzung und ausgeklügelte Heiztechnik.

Geschichte des Kirchlichen Forschungsheim bis 2004

Sowohl unter nationalsozialistischer (1933), als auch kommunistischer (1945) Herrschaft probierte Kleinschmidt in seinen Theorien Anknüpfungspunkte zum bestehenden Gesellschaftssystem zu finden. Letztendlich gab es aber immer unlösbare Problematiken. Noch unter nationalsozialistischer Herrschaft musste das Forschungsheim für Weltanschauungsfragen in Kirchliches Forschungsheim umbenannt werden.

Unter kommunistischer Herrschaft wurde der ursprüngliche Name wieder zugelassen. Nach unüberbrückbaren Differenzen musste das Forschungsheim 1961 vom Schloss zum heutigen Standort in die Wilhelm-Weber-Straße umziehen. Es hatte Streit mit der Stadtverwaltung gegeben. Eine Anpassung des Namens wurde wieder nötig. Schon seit 1953 leitete Kleinschmidts Sohn Hans das Institut. Otto Kleinschmidt verstarb ein Jahr später.

Ab Ende der 1970er / Anfang der 1980er Jahre entwickelte sich das Kirchliche Forschungsheim zu einem Zentrum in der DDR für Umweltarbeit. 2004 wurde es in die Struktur der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V. integriert, die ihren Sitz am Schloßplatz hat. Seitdem gab es dort die Forschungsstelle Ökologische Bildung und Beratung (in der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalt e.V.). Seit 2011 steht es mit erweitertem Konzept als Studienstelle Naturwissenschaft, Ethik und Bewahrung der Schöpfung unter der Leitung von Dr. Susanne Faby. Im September 2012 feierte das KFH 85-jähriges Jubiläum (Link zur Jubiläums-Veranstaltung der Ev. Akademie Wittenberg).

Das Gebäude heute

Das Kirchliche Forschungsheim verfügt mit seinem Garten über eine der größten Grünfläche in der Wittenberger Innenstadt. Außerdem befinden sich im Gebäude zwei Veranstaltungssäle, sowie das Gemeindebüro der Schlosskirchengemeinde und das Büro des Beauftragten der Landesbischöfin für Reformation und Ökumene.

Nachdem im Jahre 2009 die Evangelische Kirche der Kirchenprovinz Sachsen und die Evangelisch-Lutherische Kirche in Thüringen zur Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland (EKM) fusionierten, wurden auch die Propstsprengel (vergleichbar mit den Regierungsbezirken) neu organisiert. Der Kurkreis Wittenberg fusionierte mit dem Propstsprengel Halle. Es bildete sich der Propstsprengel Halle-Wittenberg. Der Regionalbischofssitz des Propstsprengels Halle-Wittenberg war bei Gründung der EKM strittig, ist inzwischen aber in Halle beheimatet.

Der 2012 aus dem Amt geschiedene Wittenberger Propst Kasparick war damit der letzte Propst des Kurkreises Wittenberg. Den Titel „Propst“ trägt Kasparick weiterhin. Die Propstei befand sich zuletzt im Kirchlichen Forschungsheim. Der Kurkreis bestand seit der Reformation. Propst Kasparick ist inzwischen der Beauftragte der Landesbischöfin für Reformation und Ökumene (externer Link).

Hier ein paar externe Links zur Örtlichkeit: Wikipedia-Artikel zum Forschungsheim, Artikel über Otto Kleinschmidt in der Wikipedia, Dokument über Bildungseinrichtungen in Wittenberg nach der Universitätsschließung, Propstsprengel Halle-Wittenberg in der EKM, Regionalbischof des Propstsprengels Halle-Wittenberg, Förderverein für die Forschungstelle Ökologische Bildung und Beratung, Ausstellung im KFH.